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Stefan Tuer

Aus der Fortsetzung von 'ChancenPool'

Blog über die Fortsetzung des Romans 'ChancenPool' von Stefan Tür.

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de

Der Roman 'ChancenPool' ist in zweiter überarbeiteter Auflage im März 2020 erschienen
und als e-Book sowie Taschenbuch über Amazon erhältlich.

Stefan Tür lebt und schreibt auf See.

Die Handlung dieses Romans ist frei erfunden. Sämtliche Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Aus der Feder Stefan Tür’s (05.01.18)

Roman Posted on Jan 05, 2018 16:26

Der Schock traf Silke’s Vater tief; im Volksmund gesagt, direkt
ins Mark. Und Paula sieht es ihm an. Er hängt völlig durch. Sich etwa zu
verstellen und Haltung zu wahren, darauf legt Robert in diesem Moment keinen
Wert. So abgeklärt wie er seinem Job als Journalist nachgeht – sei es im
Interview mit einem Frauenmörder in der Todeszelle unmittelbar vor dessen
Hinrichtung oder mit dem Staatschef, der meint, die Welt nach seinen
wahnsinnigen Vorstellungen neu ordnen zu müssen – so gelähmt fühlt er sich hier
in seiner Machtlosigkeit. Mit der Tatsache konfrontiert, ein zweites Mal in
seinem Leben, welches bereits zur Hälfte vorüber sein könnte, dass ihm derart Trauriges
wiederfährt. Sogar Mitleid für Fadil kommt kurzzeitig in ihm auf; was haben sie
nicht doch Spektakuläres gemeinsam erlebt. Jedenfalls hat allein schon das Wort
Abtreibung aus der Mitteilung seiner Tochter über ihre Entscheidung, Erschütterung
ausgelöst. Grete und Peer, Silke‘s Großeltern, würden das nicht überleben, wenn
sie davon in Ham burg erführen. Auch Paula hätte er diese Nachricht am liebsten
verschwiegen. Aber er teilt halt gern. „Lass mich nur machen, ich werde mit Silke
sprechen, von Frau zu Frau. Ihrer Mail entnehme ich eher Panik als
Entschlossenheit“, glaubt die selbstbewusste Lady aus Colorado Robert
zuversichtlich zu stimmen. „Vielleicht kann sich deine Tochter nicht vorstellen
ihr Leben als alleinerziehende Mutter so zu gestalten, dass sie auf ihre Lieblingsbeschäftigung
nicht etwa dauerhaft verzichten müsste. Außerdem würde ihr Wesentliches wohl kaum
entgehen. Die Geschichte, der sie bei den Ausgrabungen auf der Spur zu sein
scheint, ist schließlich viel älter als tausend Jahre.“ Beeindruckt von Paula‘s
klugen Worten ist der Vater in Robert im Handumdrehen erneut aufgebaut. „Du
sagst es Paula, was spielen da ein paar Jährchen überhaupt für eine Rolle. Und
mit ihrem Hamburger Dozenten stand sich Silke ohnehin recht gut. Ich könnte
auch mit Ighor sprechen, ob er von seinen Vorlesungen an der Mailänder Uni für zwei
Semester eine Auszeit einlegen kann, um Silke eine Weile zu vertreten. Letztendlich
war er bei der Entdeckung des Schatzes im vorigen Jahr mit dabei. Und ich bin
ja auch nicht aus der Welt.“ Mit einem munteren ‘so machen wir es‘ denkt Robert,
die Idee Paula’s einfach kurz und bündig verabschieden zu können, woraufhin
diese ihm deutlich klarmachen muss, welch sensible Vorgehensweise erforderlich
ist, um seine Tochter nicht zu verschrecken, damit sie sich nicht womöglich abkapselt.
Paula kann sich vorstellen, dass Silke bereits einen Schutzmantel angelegt hat
und die Umstimmung äußerst bedachtsam angegangen werden sollte. Nach dem was
sie von Robert über Silke‘s Vergangenheit alles gehört hat, liegt ihr deren
Wohl besonders am Herzen. Und so klingt ihre Stimme ernst, der Umgebung dieser
Ruine, die ihrer beider momentanes Versteck ist, angepasst. „Wieviel Zeit
bleibt dir noch bis zum Termin mit dem Interview? Wann musst du spätestens in
Korea vor Ort sein, Robert?“ Zurück in der Rolle des Beschützers beider Frauen,
überzeugt er Paula von seiner wiederhergestellten Entschlossenheit. „Silke ist
mir wichtiger, aber wir können auch Beides schaffen. Vergessen dürfen wir nur
nicht, unentdeckt zu bleiben.“ Nach einem prüfenden Rundblick schlägt Robert
den Kragen seiner Schottenjacke hoch und schnürt seiner jüngsten Beziehung ihren
Poncho, auf dass sie halb im Freien nicht zu frieren beginnt. „So wie du mich
führst Robert, mache ich mir darüber keine Sorgen.“ Im Hilton eingecheckt und
durch den Hinterausgang über Umwege des Nachts zu dieser Absteige geschlichen, war
Robert’s einzige Wahl die Spürhunde von Paula’s Fährte abzulenken, bis beide
aus der Metropole verschwunden sein würden. Bekanntlich verfügen insbesondere
Geheimdienste nicht erst seit heute über effektive Verfolgungsmöglichkeiten zum
Handy eines Gesuchten, wie auch die auf Paula angesetzte Verschwörung. Mit ein
paar simplen Tricks hat Robert gleich nach ihrer Ankunft beobachten können, wie
sich die Amerikaner hier in Istanbul der türkischen Zuarbeit bedienen, was ihm
Fadil eigentlich schon früher bestätigte, als dieser, davon geplagt, mit seinen
Recherchen über die Hintergründe des Systems die Arbeit in der Türkei aufnahm. So
graust es Robert bei dem Gedanken, auf den Titelseiten der Weltpresse lesen zu
müssen, dass sich Paula Anderson aus Verzweiflung über Zerwürfnisse wegen Erbschaftsstreitigkeiten
mit ihren Töchtern etwa vom obersten Stockwerk eines Hotels gestürzt hätte. Dann
bekäme die Nachrichtenbranche binnen einer Woche nach seinem Liveinterview mit
der Widersacherin des Ölmagnaten die zweite Story serviert und kein Leser
wüsste, was er glauben soll. Robert kennt das Geschäft nur zu gut. Und es mag
denkbar sein, dass die Flucht Paula’s auch zu seiner werden könnte. Noch ist
sein Hintergrundwissen über die globalen Machtverhältnisse des Geldadels zu
delikat und die Agentur will ihn keinesfalls verlieren. Schon gar nicht bevor er
die Talkshow mit Nordkoreas Staatschef und Donald Trump eingefädelt hat. Die
Einschaltquoten lassen Werbeeinnahmen in ungeahnter Größenordnung erwarten. – Wollt
Ihr wissen, wie es weitergeht? Dann lest die Fortsetzung am nächsten Freitag. Bis
dahin, Euer Stefan



Aus der Feder Stefan Tür’s (29.12.17)

Roman Posted on Dec 29, 2017 14:20

„Wenn das Kind von mir ist, bestehe ich sogar darauf als
Vater anerkannt zu sein! Was soll überhaupt diese Frage? Das ist doch
selbstverständlich! Und darauf lege ich Wert! Ich bin ein Özdemir!“ „Und was
hast Du neulich am Telefon mit deinem Theater bezweckt, dich an unsere Nacht in
Huntsville nicht mehr erinnern zu können, als ich dir aus Marokko die freudige
Nachricht meiner anderen Umstände mitteilen wollte?“ „Das war ein Missverständnis,
Silke!“ „Ha, ha! Kneifen wolltest du, Schuft!“ – Wären sie bei ihrem Treffen
jetzt in einem Restaurant statt hier, hätte man besser rasch die Tischbestecke
eingezogen, um einem Griff zum Messer zuvorzukommen. Denn auch ihrer Aller
Outfit, Typen aus dem Untergrund ähnelnd, lässt nicht unbedingt nur Friedsames
vermuten. Jedenfalls, die Erregung unserer kurzzeitig im letzten Dezember
Verliebten bedarf kaum noch einer Steigerung, um übrige Besucher der kleinen gemütlichen
Teestube vis-a-vis des Hilton zu verstören, verstünden diese englisch und somit
die erhitzte Auseinandersetzung zwischen Robert’s Tochter und ihrem einstigen
Schwarm Fadil. Doch da offensichtlich dem nicht so ist, verschlägt diese als
friedlich gedachte Begegnung der beiden, allein Robert und seiner Begleiterin
Paula beinahe die Sprache. „Das hört sich nicht gut an, meine Lieben!“, findet
Robert schließlich doch Worte als Appell an die Vernunft und schaltet sich mit
erhobenem Finger ein, woraufhin Paula ergänzt: „Zanken bringt euch auch nicht
weiter! Was wünscht ihr euch denn, ein Mädchen oder einen Jungen?“ „Soweit bin
ich noch nicht, mir missfällt die Ungewissheit, womöglich gar nicht der Vater
zu sein“, verteidigt Fadil bedrückt dieses Verhalten und senkt zum Ausdruck einer
gewissen Verzweiflung den Kopf. „Na Silke, jetzt bist du wohl an der Reihe zu
klären, was Fadil verunsichert“, fühlt sich Robert als Vater veranlasst seine
Tochter in die Pflicht zu rufen. „Wünschen die Herrschaften einen zweiten Tee?
Und mehr Gebäck?“, ist auch die aufmerksame Bedienung bemüht, die Stimmung der Gäste
wieder erträglich werden zu lassen. „Wenn Sie von dem Verzaubernden noch ein
Glas bringen könnten, hätte ich gern das Honigstück dabei“, geht Paula auf die
freundliche Nachfrage ein, wohlwissend, damit eine Atmosphäre zu fördern, welche
die Gemüter animiert übereinzukommen – und tatsächlich schließen sich die
anderen drei sogleich mit ihrer Bestellung gern an. Ein Zeichen des Kellners
lässt einen alten Mann, schlicht gekleidet, behutsam aus dem Dunklen
hervortreten und mit einem leisen Flötenspiel beginnen Musik zu machen, so dass
sie sich unter ihrem buntseidigen Baldachin, einem Versteck gleich, umgeben von
Geschichten erzählenden Wandteppichen, wie im Märchen von ‘Tausend und einer
Nacht‘ wähnen, indes draußen das Treiben zunimmt. Und tatsächlich wird an diesem
lauwarmen Samstagnachmittag im Februar hier am Bosporus bald die Sonne
untergehen. Dann spätestens sollte auch endlich ‘der Hund vom Tisch‘ sein, denn
so wie Paula und Robert durch die Hintertür kamen, wird es für sie langsam Zeit,
vor ihren Verfolgern heimlich wieder zu verschwinden. – „Also, ich habe zigmal
hin und her gerechnet, aber das Ergebnis ist, dass den Beweis nur ein Bluttest
erbringen kann; daran führt kein Weg vorbei und deshalb bin ich hier.“ „Aber
warum ist es denn so kompliziert, Silke?“, wundert sich Robert, in diesen
Fragen etwas unbeholfen, hat er doch seine Tochter erst seit einigen Monaten,
nach unerwarteten Ereignissen in ihrem Hamburger Zuhause bei den Großeltern,
besser kennenlernen können. Zwanzig Jahre auf der Flucht vor sich selbst und
der Wahrheit waren einfach eine zu lange Zeit. So durchzucken
ihn die Erinnerungen an den ungeklärten Unfalltod seiner geliebten Frau wie
Blitze und er muss sich beherrschen, jetzt die Fassung nicht zu verlieren, wie
man es ihm in den zahlreichen Wochenendsitzungen antrainiert hatte. Nicht so arg
verwundert springt Paula dem Vater bei, und um auch seiner Tochter aus der
Patsche zu helfen, ohne etwa Fadil zu verletzen: „Ich erinnere mich an meine
erste Liebe, aber leider auch an die Enttäuschung und wie ich sie zu überwinden
versuchte. Ob mich Wut, Rache oder Genugtuung trieb? Wie auch immer, nach neun
Monaten war ich stolz, Mutter eines gesunden Kindes zu sein. Und siehe da, die
vermeintlichen Väter wären es am liebsten beide gewesen.“ „Genau! Als mich
nämlich Fadil bei der Wahlparty in Texas keines Blickes würdigte und er
stattdessen abseits mit einer Hübschen herumturtelte, fühlte ich mich neben dem
Sohn des Gouverneurs in seiner Viper sauwohl.“ „Aber Silke, das war doch meine
Schwester, die ich dort getroffen habe.“ – Schicksal, denkt Robert entspannt
und hält den Burschen aus Texas nicht unbedingt für die schlechtere Partie, war
sein Verhältnis zum ehemaligen Kollegen Özdemir doch eigentlich eher selten von
absoluter Übereinstimmung geprägt, insbesondere seit dieser von London fort ist
und heute in Ankara für die Amerikaner arbeitet. Letztendlich liegt ihm sowieso
allein Silke‘s Wohl am Herzen. – Für uns bleibt also abzuwarten, was für sie
das Beste sein wird. Nächsten Freitag werden wir es wissen. Bis dahin, Euer
Stefan

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Aus der Feder Stefan Tür’s (22.12.17)

Roman Posted on Dec 22, 2017 18:25

„Taxi, Taxi!“, unterstützt Robert sein dollarversprechendes Winken
mit Rufen hinüber zur anderen Straßenseite, wo er ein freies kommen sieht, auf
dass es ihnen sicher sei. – Zu Fuß waren sie jetzt immerhin bereits einige
Stunden unterwegs. Durch schmale Gassen, mal links-, mal rechtsherum, über verbaute
Hinterhöfe und im tosenden Gedrängel auf Märkten. Hauptsache Verfolger
abzuschütteln galt die Devise, was Paula offensichtlich als ziemlich spannend empfindet,
zu dieser Nachtzeit Istanbuls. „Fahren Sie uns durch das Parkhaus dort drüben“,
weist sie phantasievoll dem Fahrer seinen Weg, dass es Robert nur so verblüfft.
Als wären sie beide schon ewig ein Team. „Schlaue Idee, aber ich denke,
anschließend kann er uns dann beim Hotel absetzen, jedenfalls ist mir bald
danach.“ – Paula Anderson, die Frau von Welt, nicht allein wegen ihres
Vermögens, nein, gleichviel oder eher wegen ihres Wirkens und humanitären Engagements,
wegen ihrer Beliebtheit; diese Miss Anderson, die während einer Stadtfahrt vom
Airport zum Hotel außer ihrer Geschäfte sonst nichts anderes wahrnehmen würde, hat
jetzt nur eines noch im Sinn, mit Roberts Hilfe Trumps Killern zu entkommen. Die
ihr auch nach der Flucht aus Colorado nicht mehr von den Fersen gehen wollen.
Zu krass durchkreuzt ihr eisernes ‚Nein‘ die Pläne zur Verlegung einer
Ölpipeline von Alaska über ihr Land. Dem Gebiet im San Luis Valley, was schon
Paulas Großväter als Einwanderer mit den Ute-Indianern teilten. Nicht etwa dem
Journalisten in Robert hat sie sich anvertraut, mit der spontanen Entscheidung
ihn zu seinem nächsten Job nach Nordkorea zu begleiten, sondern dem Mann, in
den sie sich Hals über Kopf verliebt hat; zum ersten Mal wieder seitdem sie
Witwe ist. – „Meinetwegen, aber bleiben wir auf der Hut!“ „Hilton!“, lässt
Robert den Taxifahrer wissen, wo die Tour endet. „Ich freue mich schon, morgen
deine Tochter kennenzulernen.“ „Die wird sich erst einmal freuen, war ich doch
bei ihr schon zum Einzelgänger abgestempelt.“ – Robert hatte mit der Agentur in
London vereinbart, einen kurzen Zwischenstopp einzulegen. Und Silke war zu
diesem Treffen von ihren Ausgrabungsarbeiten in Marokko nach Istanbul
angereist. All das zur Klärung, ob Roberts ehemaliger Kollege Fadil die
Vaterschaft am Nachwuchs Silkes anerkennen würde. – „Na, dann bin ich ja gespannt!“
– Und das könnt auch ihr sein, denn nachdem Robert sich nun den meisten Wünschen
aus der letzten Folge verschrieben hat ‘drei Fliegen mit einer Klappe‘
erledigen zu wollen, geht es endlich freitags munter weiter in der Fortsetzung von
‘ChancenPool‘. Bis dahin und frohe Weihnachten, Euer Stefan


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Aus der Feder Stefan Tür’s (31.03.17)

Roman Posted on Mar 31, 2017 15:53

Robert kennt zwar das Thema, doch Paula Anderson‘s Antworten
nicht unbedingt. Ihn austricksen zu wollen hat schon so manchen verleitet, um
dabei seinen Spaß zu haben, aber ihm wird die Arbeit dadurch nicht leichter
gemacht. So bleibt er gefasst und trotz seines Bohrens darauf bedacht, das
Gespräch nicht etwa aus dem Ruder laufen zu lassen. „Was glauben Sie Paula, wird
Ihr Haus am nächsten ‘Thanksgiving Day‘ wie eh und je besucht sein?“ „Ach
wissen Sie Robert, bis November sind es noch neun Monate, das ist eine lange
Zeit.“ „In der sich viel verändern kann, sogar bei Ihnen hier, abseits vom
Trubel.“ „Sie sagen es, der Schein kann trügen. Doch wer kennt schon die
Zukunft so genau?“ Ohne eine Unterbrechung aufkommen zu lassen, gönnen sich
beide einen kurzen Schluck Mineralwasser mit unauffälligem Blickaustausch,
wobei der an Robert gerichtete die Mahnung zum Inhalt haben könnte, das
Gespräch endlich auf den Punkt zu bringen. Was jenen allerdings eher bewegt,
ist, rasch bei seiner Tochter zurückrufen zu können, denn auf dem Display
seines Handys sieht er permanent ‘Hase‘ blinken und das ist Silke. „Eine Frau
wie Sie Paula, überlässt doch nichts dem Zufall, oder?“ „Wenn wir von
Verantwortung sprechen wollen, liegen Sie bei mir richtig, Robert.“ „Das freut
mich, aber man hört, dass Sie ihr Vermögen einer Stiftung zuteil werden lassen
wollen. Womit Sie sich Ihrer Verantwortung doch gewissermaßen entledigen würden.
Oder sehe ich das falsch?“ „Die Wege, die wir im Leben gehen, sind gewiss nicht
eindeutig vorgegeben. Vieles findet sich erst im Laufe der Zeit. Für mich stand
irgendwann fest, den Spuren unserer Vorfahren folgen zu müssen.“ „Sie meinen, der
Gesinnung erster Pioniere dieser Gegend?“ „Richtig. Wie es schon mein
Urgroßvater pflegte. Er gehörte zu den wenigen Siedlern, die im Geben und
Nehmen das friedliche Miteinander suchten und den Ute-Indianern gut gesonnen
waren, wie sie früher über Generationen vom Büffeljagen lebten.“ „Dann liegt Ihnen
also die Wahrung der Lebensweise dieser Ureinwohner am Herzen.“ „Und, dass sie
nach meinem Tod nicht ausgebeutet werden.“ „Warum sprechen Sie von Ihrem Ende,
Paula?“ „Das können Sie mich ja nochmals fragen. Jedenfalls gewährleistet die Gründung
einer Stiftung, die sich aus der Verwaltung meines Vermögens finanziert, eine
dauerhafte Fortführung unserer Tradition. Und das nenne ich Verantwortung.“
„Zweifelsfrei, jedoch weshalb überlassen Sie das Erbe dieser
Familienverpflichtung nicht einfach Ihren Töchtern?“ „Schön wär’s, aber da
schließt sich bedauerlicherweise ein Kreis anderer Interessen.“ „Moment ‘mal
bitte Paula! Nicht, dass uns Fragen offen bleiben, steht noch ihr Tod aus.“ „Allein
wäre ich auf diese geniale Idee mit der Stiftung gar nicht gekommen, darauf
brachte mich meine Freundin.“ Dass Nancy Stone eine der meistgefragtesten
Adressen in Sachen Stiftungseinrichtungen ist, war Robert schon von David
bekannt, und vor allem, wie gewieft sie wohl ist. Kein Wunder also, dass hier
offensichtlich alles in trocknen Tüchern zu sein scheint. „Gewiss, eine bessere
Beratung hätten Sie sich nicht wünschen können, nur gehen Ihre Töchter leer
aus.“ „Daran sind die Lieben selbst schuld. Denn indem sie mich bedrängten, das
Land für andere Vorhaben zu verkaufen, haben sie den daran Interessierten in
seiner Gier ermuntert, den Druck auf mich so zu erhöhen, dass ich mir meines
Lebens nicht mehr sicher sein kann.“ „Wie dramatisch, aber mit Ihren
Möglichkeiten könnten Sie doch untertauchen.“ „Davonlaufen war noch nie mein
Ding. Die Stiftung wird eine Festung sein. Falls Rache aufkommt, soll die Welt
wissen, wie es war.“ – Dafür ist nun
gesorgt und einem Feierabend ähnlich, hocken sie beide, der Einladung Canalla’s
gefolgt, am wärmenden Lagerfeuer unter ihren palavernden Freunden. Jeder mit
einer Schüssel ‘Hominy‘, wie die Ute-Indianer von hier Maisgemüse am liebsten
haben, und hören die Gesänge, begleitet von einem Chor rasselnder Instrumente,
als wäre die Zeit vor Ewigkeiten stehen geblieben. Doch das ist sie leider
nicht. Rücksichtslos holt die Realität Robert ein. Sein Einsatzleiter der
Londoner Agentur drängt ihn wegen des Interviews mit Nordkoreas Kim, bevor der
amerikanische Präsident einen Strich durch die Rechnung macht. Dann ist da noch
der Hilferuf von Töchterchen aus Marokko, die den Rat des Vaters sucht, denn
sie erwartet überraschend Nachwuchs, aber ist sich nicht sicher von wem. Für
Robert scheinbar unmöglich, zeitlich alles in Einklang zu bringen. Möchte er
doch auch noch Paula überzeugen, dass sie sich lieber absetzen solle. Schließlich
hätte er Beziehungen. Unverkennbar ist seine Zuneigung gewachsen. So sehr hat
ihre Nähe ihn, zum ersten Mal seit dem Tod seiner Ehefrau, Vermisstes wieder spüren
lassen. – Wenn Ihr bis jetzt gern von Robert gelesen habt und es weitergehen
soll, lasst es mich wissen. Und wenn es Euch Spaß macht, wird sein nächstes
Ziel, was sich die meisten von Euch wünschen: Dass er zu seiner Tochter Silke
eilt? Taylor’s nächstem Auftrag nachgeht? Oder Paula Anderson beisteht? – Bis
ich in Uruguay den Anker fallen lasse, habt Ihr dafür 3 Monate Zeit. Auch um
‘ChancenPool‘ zu lesen. Bis dahin, Euer Stefan

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Aus der Feder Stefan Tür’s (24.03.17)

Roman Posted on Mar 24, 2017 18:04

Marie-Luise hat, verfolgt vom aufmerksamen Blick eines
Securities, ihren Platz im Hintergrund auf einem Stuhl am Sekretär eingenommen.
Sie sitzt dort vor ihrem Laptop und wird in Kürze aus ein paar Metern
Entfernung die fünf Kameras, auf den um die Sesselgruppe verteilten Stativen,
dirigieren. Bernard, der vielseitige Assistent, ist bereit, die Ausleuchtung zu
umsorgen. Wegen der zum Abend sich verändernden Lichtverhältnisse, wurden die
Vorhänge vom Hauspersonal zugezogen und die Stätte wirkt wie abgeriegelt von
der Außenwelt. Im mannsgroßen Kamin, eingefasst zu beiden Seiten von
Marmorsäulen mit darauf platzierten Rosenarrangements, lodern die Flammen über dazugelegten
Holzscheiten. Schier unendlich viele Bücher, in Regalen bis hoch unter die
Decke, säumen den Raum, dem eine prächtige Palme die Stimmung einer behaglichen
Oase verleiht. Der noch etliche Jahre Wachstum gewährt sind, bis sie an die
Holztäfelung der Decke anstoßen würde. Büffeltrophäen oder dergleichen wären
hier vergeblich zu suchen. Das Parkett bedecken auf den Laufwegen Ziegenfelle, über
die man zu einer ledernen Sitzlandschaft gelangt. Wo der Sherry noch kürzlich in
Paula und Robert seine Genießer fand. Nach Abfrage letzter Wünsche verschwindet
auch der Visagist und die schweren Flügeltüren des Eingangs werden von innen
geschlossen. Als würden sie gar nicht anwesend sein, nehmen die Wächter ihre
Posten abseits verdeckt ein. Marie-Luise schaut auf die Uhr und gibt ein
Zeichen. Sie sind pünktlich eine Minute vor der Zeit, nach der bereits eine Stunde
später ihre Bilder und das Interview von der Londoner Agentur den Medien
weltweit angeboten werden. Eine Minute für Robert’s obligatorische Authentizitätsansage
vor Beginn der Aufzeichnung dieses Liveinterviews. Die Minute, in der Paula
Anderson noch entscheiden kann, das Interview doch nicht zu wollen. Was sie
allerdings zwölf Millionen Dollar kosten würde, wie die Abmachung ist. Aber die
Frau aus dem Hochtal mit der reinsten Luft dieser Welt fühlt sich fit und ist
bester Laune auf Robert’s Fragen zu antworten. „Paula, wie geht es Ihren drei
Töchtern und deren Familien?“ Leises Klicken der Verschlüsse aus den Aufnahmegeräten
der Meisterin für Fotografie, fängt Bilder mit Paula Anderson von allen Seiten
ein und wie sie ihre Haarpracht aus geschickt inszenierter Empörung über erste
Frage wild umherwirft, bevor sie für die Story kontert. „Bestens, alle sind
gesund, die Kinder machen sich gut und die Geschäfte meiner Schwiegersöhne
laufen blendend.“ „Das hört man gern. Wann haben Sie sich das letzte Mal
gesehen?“ Fix haben sich die zwei auf gleicher Welle gefunden und der
Auftraggeberin des Interviews gefällt es offenbar zu parieren. „Zum
‘Thanksgiving‘ ist das Haus immer voll. Sie können sich gar nicht vorstellen,
was dann hier los ist. Da hat noch keiner gefehlt.“ „Ja ja, so soll es auch
sein, aber wer weiß, wie es dieses Jahr wird?“ – Nächsten Freitag werden
wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür’s (17.03.17)

Roman Posted on Mar 17, 2017 17:27

„Mrs. Black macht in der Finanzwelt ab und zu von sich
reden. Bewundernswert wie sie ihr Schicksal meistert.“ Robert hofft, nicht nach
David gefragt zu werden, denn in seiner Position wird auf absolute Glaubwürdigkeit Wert
gelegt, was den Spielraum für Ausflüchte begrenzt. So versucht er mittels eines
eingeleiteten Malheurchens mit seiner Teetasse, geschickt das Thema zu
bestimmen. „Oh pardon! Das tut mir leid, wie unachtsam von mir.“ „Um Gottes willen,
machen Sie sich doch darüber keine Gedanken, Mr. Wick. Nicht um das Tischtuch.
Ich bitte Sie.“ Beruhigt die noch von herber Stallluft umgebene Lady ihren
auserwählten Akteur, charmant lächelnd, während sogleich vom umsichtigen
Personal sechshändig neu eingedeckt wird. „Nancy Black ist meine engste
Freundin. Sie hat mich in den Stiftungsfragen mit ihrem Stab beraten. Wir
besuchen uns gern. Aber in ihren Maserati sollte man nicht ohne Testament einsteigen.
– Den zweiten Gatten hatte ich nie kennengelernt.“ Erleichtert über das
Ausbleiben befürchteter Nachfrage, gönnt sich Robert nun den neu eingeschenkten
Tee von seiner Lieblingssorte Earl Grey und sieht durch die Nachricht, dass
Mrs. Anderson mit David’s Ehefrau befreundet ist, keine weiteren Probleme auf
sich zukommen. Dennoch will er sicherheitshalber möglichst zügig zum
eigentlichen Anlass seines Hierseins übergehen. „Verzeihung, wenn ich so direkt
frage, aber möchten Sie sich mit mir vor dem Interview noch ein wenig austauschen,
Mrs. Anderson? Es liegt mir fern, Sie versehentlich in Bedrängnis zu bringen.“ Auch
ohne diese aus dem Zweck heraus geborene Ansage, würde Robert, durch eine sich
meldende Sympathie sensibilisiert, das Interview sowieso nicht etwa in Bahnen
driften lassen, die das Potential hätten, womöglich eine skandalträchtige Sensationsstory
auszulösen. Auf einen derartigen Erfolg könnte er nicht stolz sein. Zu edel sind
die bekannten Absichten dieser vermögenden Frau, wie sich das Bild von ihr bei
ihm abgelegt hat. Nach seiner Einschätzung passend zu ihrem Wesen. Dort zu
helfen, wo es wichtig und angebracht ist. Ohne ein Denkmal zu erwarten. Denn
ein solches stellt buchstäblich schon ihr außergewöhnliches Anwesen in dieser
Landschaft dar. Fantastisch wie sie selbst. Als hätte hier ihre Familie in
Vorzeiten einen Block aus den Champs-Élysées herverfrachtet. „Sehr
rücksichtsvoll von Ihnen, so zugeneigt kennt man Sie gar nicht. Doch egal was
Sie ansprechen, ich weiß mich zu wehren, keine Sorge.“ Mit einem fast
unauffälligen Zeichen bittet Mrs. Anderson’s Bodyguard ihr etwas ins Ohr
flüstern zu dürfen und sie hört ihm zu. Scheinbar Verwunderndes erfahrend. Den
hochgezogenen Augenbrauen nach zu urteilen Befremdendes. „Kennen Sie die
französische Fotografin? Offenbar ziemlich ungezügelte Naturen, sie und ihr sportlicher
Assistent.“ Womit sich für Robert dann auch die Zukunft ‘Marie-Luise‘ erledigt
hat. „Wir hatten in den zurückliegenden zwölf Monaten zwei gemeinsame Einsätze.
Zu einem außer der Reihe fehlte die Gelegenheit.“ „Sie Armer!“ Tröstet ihn jene,
der er in schnellen Schritten zu imponieren beginnt. „Hätten Sie diesen Job
ablehnen können?“ Robert sagt nicht nein zu dem angebotenen Gläschen Sherry und
begutachtet, mit prüfendem Blick, die Gesichtszüge der Frau, welche sich in
nächster Stunde der interessierten Welt über ihre Zukunft mitteilen will. Als wolle
er noch rechtzeitig zuvor Übriges aus ihrer Vergangenheit erfahren, um dann
alles über sie zu wissen. Dass sie trotz der beeindruckenden Eleganz, von ihrer
Rasse her, eine natürlich gebliebene Erscheinung ist, passend zu ihrem Land
hier oben, sieht er. „Dann wäre ich ein Tölpel gewesen. Was auch einem freien
Journalist nicht zu häufig widerfahren sollte.“ Geschmeichelt erkundigt sich
die, bis auf ihre Freundin Nancy, wohl doch einsam gewordene Witwe, ob Robert
im Gästetrakt übernachten möchte oder die Agentur für ihn ein Hotel gebucht hat.
„Wenn Sie mich zum Frühstück nicht fressen, sollte ich das Interview verbockt
haben, bleibe ich gern. Allerdings bin ich zum Mondscheinessen eingeladen. Das
kann ich nicht absagen, die Leute möchte ich nicht enttäuschen.“ „Aha, zu
Canalla! Na, dann reiten wir doch gemeinsam rüber!“ Und ohne, dass die sich
offensichtlich riesig Freuende, eine Anweisung zu den Vorbereitungen des
Ausfluges erteilen müsste, bemerkt Robert die im Hintergrund unmittelbar
einsetzende Geschäftigkeit des Personals. „Sagen Sie ‘mal Mr. Wick, könnte es
sein, dass Sie es auf der Stelle fertigbrächten, Mrs. Anderson zu vergessen?“ Diese
Überraschung verwirrt Robert, als hörte er Stimmen aus einem nahenden Ufo.
„Warum? Wieso? Weshalb?“ „Weil es mit Paula nicht möglich wäre.“ „Und mit mir
nicht ohne einen zweiten Sherry. – Cheers Paula.“ „Cheers Robert.“ Was wird
das wohl für ein Interview? – Nächsten Freitagabend werden wir es erfahren. Bis
dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür’s (10.03.17)

Roman Posted on Mar 10, 2017 16:08

„Wenn
das keine Überraschung ist, bonjour Robert!“ „Sei gegrüßt Marie! Wie lange ist
das her? Lass dich umarmen.“ „Zu lange, viel zu lange! – Erzähl, wie geht es
dir, was treibt deine Tochter?“ Die Fotografin war schon vor Robert im Hause
von Mrs. Anderson eingetroffen und hat sich mit ihrer Ausrüstung in der
Bibliothek ausgebreitet. Kann sie nicht einfach nur ein Aufnahmegerät auf den
Tisch legen, um ihre Arbeit zu erledigen, sondern muss ausleuchten, Reflexionen
berücksichtigen und dergleichen mehr, wie es halt die Qualität der Bilder in
Illustrierten fordert. So verfolgt sie Robert’s Worte während ihres
Umherschwirrens. „Silke ist mit ihrem Prof in Marokko, auf Ausgrabung. Wir
hatten letzten November endlich ‘mal begonnen einiges gemeinsam zu unternehmen
und eine tolle Zeit. Wollen wir jetzt öfter machen. – Bist Du für den Termin extra
aus Paris gekommen?“ „Nein, wo denkst Du hin? Allein wegen dir, mon cher! Natürlich
nicht, wir haben in Denver zu tun, Modeaufnahmen. – Bernard, die Kabel hinter
die Sessel! Wie ich Monsieur Robert kenne, bevorzugt er es bequem.“ Die
Zigarette im Mundwinkel kauend, als wäre sie schuld daran, dass seine Pause
noch zu warten hat, ändert der Assistent die Verlegungen. „Hast du sie schon
gesehen?“ Erkundigt sich Robert bei der Fotografin, die auch das Model sein
könnte, wenn die Attraktivsten in die Linse schauen. „Heute noch nicht und das
letzte Mal ist zwei Jahre her, als wir die Aufnahmen mit ihr im Reitstall machten.
Seitdem sah man sie nirgendwo. Ist mir also treu geblieben. Kann ich das auch
von dir sagen?“ Ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, hält Marie-Louise
dennoch für einen Augenblick mit ihrem Hantieren inne und wird dafür von Robert
durch einen zarten Kuss auf die Wange belohnt. „Aber meine Liebe, ich hätte
doch gar keine Zeit.“ „Das glaube ich dir sogar, wo du überall in der Welt
umherdüst. Und da du heute hier mit von der Partie bist, wird es sich gewiss auch
nicht bloß um den üblichen Klatsch handeln. – Erwarten wir einen Weltkrieg? Zieht
die Grande Dame in einen Atombunker?“ Ob von alledem etwas ernst zu nehmen sein
könnte, will Robert jetzt nicht kommentieren. Vielleicht später. „Sehen wir uns
nach der Arbeit? Ich bin zu einem Mondscheinessen eingeladen. Bei hiesigen
Indianern. Interessante Leute. Würde dir sicherlich auch Spaß machen und wir
hätten noch ein paar Stunden zusammen. Sag ja, Marie.“ Wobei Robert eigentlich
schon die Antwort kennt. Einer von ihnen hat ja nie Zeit. „Haben Sie noch einen
Wunsch? Miss Anderson wird in Kürze erscheinen.“ Teilt eine der freundlichen
Bediensteten in farbenprächtigem Dress den Besuchern mit. „Bikinishow in den
Rockies. Er wird auch dabei sein. Die Helikopter sind zu neun Uhr früh
geordert. Ein hunderttausend Dollar-Vormittag. Schade, wir müssen deshalb heute
noch die letzte Maschine nach Denver nehmen. Und die startet vor deinem Mondscheinspektakel.“
Als hätte Robert es nicht wieder geahnt, widmet er zur Zerstreuung seine
Aufmerksamkeit der Bildergalerie über dem Kamin, kommt jedoch von einem Foto
nicht so recht los. Zum ersten Mal sieht er Nancy. Sie muss es sein. Denn hinter
ihrem Rollstuhl steht David, Robert‘s ehemaliger Freund aus ‘ChancenPool‘.
„Kennen Sie die beiden, Mr. Wick?“ Fragt die herangenahte Hausherrin, ihren
Poncho über einen Sessel werfend, noch in Stiefeln und Reithose, und bittet Robert
zum Tee, was ihn ins Grübeln bringt, welche Verbindungen hier wohl bestehen. –
Nächsten Freitag werden wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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Aus der Feder Stefan Tür’s (03.03.17)

Roman Posted on Mar 03, 2017 12:12

„Die Drohungen verängstigen Mrs. Anderson zunehmend. Seitdem
kürzlich ihre beiden Dobermänner aus einem Hinterhalt erschossen wurden,
beschützen sie Männer von uns. Rund um die Uhr. Die Hinrichtung ihrer
Lieblingshunde sollte wohl eine letzte Warnung sein, denn ein Ultimatum scheint
bald abzulaufen.“ Derart massive Vorgehensweisen hätte Robert bei den
enttäuschten Erbanwärtern nicht vermutet, zumal aus dem Clan der Andersons
bisher keiner als solch Schwarzes Schaf von sich reden machte. Wie etwa David
sich in ‘ChancenPool‘ zu einem entpuppte. „Sind die Zerwürfnisse denn so
tiefgreifend?“ Canalla sieht Robert, im gegenüber hängenden Wandspiegel vom
Tresen aus, deutlich dessen Verwunderung an und kann die Missdeutung seines
wissbegierigen Freundes nachvollziehen. Nach kurzem Zwischenruf des hereinschauenden
Pendelbusfahrers, wer zum Ufo-Watchtower mitfahren möchte, ergänzt Canalla die
Aufklärung Robert’s mit unverkennbar ernster Miene. „Die drei Stieftöchter von
Mrs. Anderson haben zwar einen Komplott geschlossen, wie man sich erzählt, und
auf ihre Stiefmutter Detektive angesetzt, um nachweisen zu können, dass diese
wegen der Stiftungsabsichten für verrückt zu erklären ist. Deshalb jedoch bangt
sie nicht etwa, umgebracht zu werden. Nein, wer hier in der Gegend niemals
blufft, ist der frühere Partner des verstorbenen Mister Anderson. Einer der
genau weiß, was er will und es in der Regel auch immer bekommt. So oder so.“
Nach diesen Worten lässt ein Blick auf die Uhr Robert wünschen, dass seine
nächste Frage ausreichen möge, Restliches zu erfahren. „Was will der Mann?“
Länger als um den Kaffee auszutrinken, wollte Canalla ohnehin nicht
unterbrechen Robert abschließend zu berichten und geht ins Flüstern über, was
einen Höhepunkt ankündigt. „Die Unterschrift von Mrs. Anderson. Zur Abtretung
ihrer Ländereien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen. Damit seine Pipeline
gebaut werden kann. Für die Trasse von Alaska nach Texas. Nur über ihre Leiche,
sagt die Urenkelin von einem der ersten Pioniere hier jedem dazu. Und da die
Erben mit dem Angebot des Baulöwen einverstanden wären, hat er die forsche Dame
vielleicht sogar wörtlich genommen.“ Womit Robert einleuchtet, weshalb Mrs.
Anderson das Interview nicht wie geplant in Denver, sondern lieber bei sich zu
Hause abhalten möchte. War schon der Tod ihres Ehemannes angeblich auf einen
Unfall zurückzuführen. Das Puzzle beginnt für Robert Gestalt anzunehmen und er
glaubt, sich langsam ein Bild von alledem hier machen zu können. „Mein lieber
Canalla, das war sehr aufschlussreich, doch wird es jetzt Zeit für uns
aufzubrechen, denn bald erwartet man mich. Ich sage vielmals Dank. Es hat mich
geehrt, dass wir zusammen gesprochen haben.“ So beenden sie ihren Besuch im
Coffeeshop ‘Happy-Hour‘ und Robert lässt es sich trotz Canalla‘s Geste nicht
nehmen, die kleine Rechnung zu bezahlen. Wonach dieser darauf besteht, dass
Robert sein Gast beim Mondscheinessen ist, ohne die Vermutung aufkommen zu
lassen, Neues vom Interview aus erster Hand unbedingt hören zu wollen. – Wir dagegen
brennen darauf, müssen jedoch bis nächsten Freitagnachmittag warten.
Bis dahin,
Euer Stefan.

Zur Website des Romans “ChancenPool”:

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de



Aus der Feder Stefan Tür’s (24.02.17)

Roman Posted on Feb 24, 2017 20:15

„Wenn Sie kein
Detektiv sind, was ist dann Ihr Geschäft? Wenn Sie nichts weiter tun
als zuhören, fragen und reden. – Nehmen Sie Zucker?“ Am Ende des
einladend gedeckten Tresens, der im ‘Happy-Hour‘ Tische ersetzt,
haben die beiden letzte freie Hocker besetzt und befinden sich mit
ihren Plätzen neben Ufo-Gläubigen, wie sie hier tagtäglich
Neuigkeiten über aktuelle Sichtungen im San Luis Valley austauschen.
„Nicht beim ersten, nein danke. – Von dem Wenigen, was zu raten
übrig bleibt, bin ich vielleicht ein Jäger im Wald der Wirren
dieser Welt.“ Womit Robert den hilfsbereiten Canalla noch mehr ins
Grübeln bringt. „Da an Ihnen keine Ähnlichkeit mit uns
Ute-Indianern zu sehen ist, sage ich, Sie sind ein Robin Hood.“ So
hätte Robert die Einschätzung des Weisen natürlich am liebsten und
wäre stolz darauf. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Man
erwartet von ihm Stories, die sich verkaufen lassen. „Gut
kombiniert. Echte Indianerspürnase, aber ich bin bloß Journalist.“
Erstaunt blickt Canalla mit hochgezogenen Augenbrauen fragend in
Robert’s Gesicht, um zu ergründen, warum dieser unzufrieden ist.
Bringt der Job doch gewiss gutes Geld. „Aha, dann werden Sie eine
Geschichte über Mrs. Anderson schreiben, nicht wahr?“ Robert
rutscht sich auf dem lederbezogenen Sitz zurecht, als wolle er es zum
Erzählen bequemer haben. „Auch noch einen Kaffee, Canalla?“ „Ich
werde nicht nein sagen, wenn ich von meinem großen Freund höre, was
andere erst später lesen können.“ Robert hat verstanden und
bestellt die zwei Kaffee, bevor er beginnt. „Die Witwe möchte alle
Menschen wissen lassen, warum sie ihren Kindern nichts vererben will.
Es ist ihr wichtig, die Beweggründe kundzutun. Jetzt, damit schon
vor ihrem Tod einer schlechten Nachrede vorgebeugt ist. Denn mit dem
Ende rechnet sie täglich, warum auch immer.“ Trotz der lauter
gewordenen Musik unterbricht Robert, um sich zu vergewissern, keine
weiteren Mithörer geweckt zu haben, was Canalla befürwortet. Hat er
doch, angetan vom soeben Erfahrenen, Überraschendes zu berichten.
„Nicht das Alter, ist ihre Furcht zu sterben. Eine gute Gesundheit
ist ihr geblieben. Nein, Mrs. Anderson glaubt angeblich den Mörder
sogar zu kennen, der auch sie umbringen soll.“ „Woher die
Nachricht, Canalla?“ „Über Jahrzehnte sorgte unser Stamm für
das Wohl der Andersons und so auch heute noch Familienangehörige von
mir. Wir schweigen zu dem was wir hören. Sie sind nicht von hier, so
rede ich zu Ihnen.“ Robert kann sich kaum zurückhalten, so
gespannt ist er. „Was kann mir mein großer Freund Canalla noch
mehr erzählen?“ – Nächsten Freitag werden wir es erfahren, bis
dahin, Euer Stefan.

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de



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Roman Posted on Feb 23, 2017 17:34

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