Robert kennt zwar das Thema, doch Paula Anderson‘s Antworten
nicht unbedingt. Ihn austricksen zu wollen hat schon so manchen verleitet, um
dabei seinen Spaß zu haben, aber ihm wird die Arbeit dadurch nicht leichter
gemacht. So bleibt er gefasst und trotz seines Bohrens darauf bedacht, das
Gespräch nicht etwa aus dem Ruder laufen zu lassen. „Was glauben Sie Paula, wird
Ihr Haus am nächsten ‘Thanksgiving Day‘ wie eh und je besucht sein?“ „Ach
wissen Sie Robert, bis November sind es noch neun Monate, das ist eine lange
Zeit.“ „In der sich viel verändern kann, sogar bei Ihnen hier, abseits vom
Trubel.“ „Sie sagen es, der Schein kann trügen. Doch wer kennt schon die
Zukunft so genau?“ Ohne eine Unterbrechung aufkommen zu lassen, gönnen sich
beide einen kurzen Schluck Mineralwasser mit unauffälligem Blickaustausch,
wobei der an Robert gerichtete die Mahnung zum Inhalt haben könnte, das
Gespräch endlich auf den Punkt zu bringen. Was jenen allerdings eher bewegt,
ist, rasch bei seiner Tochter zurückrufen zu können, denn auf dem Display
seines Handys sieht er permanent ‘Hase‘ blinken und das ist Silke. „Eine Frau
wie Sie Paula, überlässt doch nichts dem Zufall, oder?“ „Wenn wir von
Verantwortung sprechen wollen, liegen Sie bei mir richtig, Robert.“ „Das freut
mich, aber man hört, dass Sie ihr Vermögen einer Stiftung zuteil werden lassen
wollen. Womit Sie sich Ihrer Verantwortung doch gewissermaßen entledigen würden.
Oder sehe ich das falsch?“ „Die Wege, die wir im Leben gehen, sind gewiss nicht
eindeutig vorgegeben. Vieles findet sich erst im Laufe der Zeit. Für mich stand
irgendwann fest, den Spuren unserer Vorfahren folgen zu müssen.“ „Sie meinen, der
Gesinnung erster Pioniere dieser Gegend?“ „Richtig. Wie es schon mein
Urgroßvater pflegte. Er gehörte zu den wenigen Siedlern, die im Geben und
Nehmen das friedliche Miteinander suchten und den Ute-Indianern gut gesonnen
waren, wie sie früher über Generationen vom Büffeljagen lebten.“ „Dann liegt Ihnen
also die Wahrung der Lebensweise dieser Ureinwohner am Herzen.“ „Und, dass sie
nach meinem Tod nicht ausgebeutet werden.“ „Warum sprechen Sie von Ihrem Ende,
Paula?“ „Das können Sie mich ja nochmals fragen. Jedenfalls gewährleistet die Gründung
einer Stiftung, die sich aus der Verwaltung meines Vermögens finanziert, eine
dauerhafte Fortführung unserer Tradition. Und das nenne ich Verantwortung.“
„Zweifelsfrei, jedoch weshalb überlassen Sie das Erbe dieser
Familienverpflichtung nicht einfach Ihren Töchtern?“ „Schön wär’s, aber da
schließt sich bedauerlicherweise ein Kreis anderer Interessen.“ „Moment ‘mal
bitte Paula! Nicht, dass uns Fragen offen bleiben, steht noch ihr Tod aus.“ „Allein
wäre ich auf diese geniale Idee mit der Stiftung gar nicht gekommen, darauf
brachte mich meine Freundin.“ Dass Nancy Stone eine der meistgefragtesten
Adressen in Sachen Stiftungseinrichtungen ist, war Robert schon von David
bekannt, und vor allem, wie gewieft sie wohl ist. Kein Wunder also, dass hier
offensichtlich alles in trocknen Tüchern zu sein scheint. „Gewiss, eine bessere
Beratung hätten Sie sich nicht wünschen können, nur gehen Ihre Töchter leer
aus.“ „Daran sind die Lieben selbst schuld. Denn indem sie mich bedrängten, das
Land für andere Vorhaben zu verkaufen, haben sie den daran Interessierten in
seiner Gier ermuntert, den Druck auf mich so zu erhöhen, dass ich mir meines
Lebens nicht mehr sicher sein kann.“ „Wie dramatisch, aber mit Ihren
Möglichkeiten könnten Sie doch untertauchen.“ „Davonlaufen war noch nie mein
Ding. Die Stiftung wird eine Festung sein. Falls Rache aufkommt, soll die Welt
wissen, wie es war.“ – Dafür ist nun
gesorgt und einem Feierabend ähnlich, hocken sie beide, der Einladung Canalla’s
gefolgt, am wärmenden Lagerfeuer unter ihren palavernden Freunden. Jeder mit
einer Schüssel ‘Hominy‘, wie die Ute-Indianer von hier Maisgemüse am liebsten
haben, und hören die Gesänge, begleitet von einem Chor rasselnder Instrumente,
als wäre die Zeit vor Ewigkeiten stehen geblieben. Doch das ist sie leider
nicht. Rücksichtslos holt die Realität Robert ein. Sein Einsatzleiter der
Londoner Agentur drängt ihn wegen des Interviews mit Nordkoreas Kim, bevor der
amerikanische Präsident einen Strich durch die Rechnung macht. Dann ist da noch
der Hilferuf von Töchterchen aus Marokko, die den Rat des Vaters sucht, denn
sie erwartet überraschend Nachwuchs, aber ist sich nicht sicher von wem. Für
Robert scheinbar unmöglich, zeitlich alles in Einklang zu bringen. Möchte er
doch auch noch Paula überzeugen, dass sie sich lieber absetzen solle. Schließlich
hätte er Beziehungen. Unverkennbar ist seine Zuneigung gewachsen. So sehr hat
ihre Nähe ihn, zum ersten Mal seit dem Tod seiner Ehefrau, Vermisstes wieder spüren
lassen. – Wenn Ihr bis jetzt gern von Robert gelesen habt und es weitergehen
soll, lasst es mich wissen. Und wenn es Euch Spaß macht, wird sein nächstes
Ziel, was sich die meisten von Euch wünschen: Dass er zu seiner Tochter Silke
eilt? Taylor’s nächstem Auftrag nachgeht? Oder Paula Anderson beisteht? – Bis
ich in Uruguay den Anker fallen lasse, habt Ihr dafür 3 Monate Zeit. Auch um
‘ChancenPool‘ zu lesen. Bis dahin, Euer Stefan

www.die-erlebnisse-des-robert.wick.de