Marie-Luise hat, verfolgt vom aufmerksamen Blick eines
Securities, ihren Platz im Hintergrund auf einem Stuhl am Sekretär eingenommen.
Sie sitzt dort vor ihrem Laptop und wird in Kürze aus ein paar Metern
Entfernung die fünf Kameras, auf den um die Sesselgruppe verteilten Stativen,
dirigieren. Bernard, der vielseitige Assistent, ist bereit, die Ausleuchtung zu
umsorgen. Wegen der zum Abend sich verändernden Lichtverhältnisse, wurden die
Vorhänge vom Hauspersonal zugezogen und die Stätte wirkt wie abgeriegelt von
der Außenwelt. Im mannsgroßen Kamin, eingefasst zu beiden Seiten von
Marmorsäulen mit darauf platzierten Rosenarrangements, lodern die Flammen über dazugelegten
Holzscheiten. Schier unendlich viele Bücher, in Regalen bis hoch unter die
Decke, säumen den Raum, dem eine prächtige Palme die Stimmung einer behaglichen
Oase verleiht. Der noch etliche Jahre Wachstum gewährt sind, bis sie an die
Holztäfelung der Decke anstoßen würde. Büffeltrophäen oder dergleichen wären
hier vergeblich zu suchen. Das Parkett bedecken auf den Laufwegen Ziegenfelle, über
die man zu einer ledernen Sitzlandschaft gelangt. Wo der Sherry noch kürzlich in
Paula und Robert seine Genießer fand. Nach Abfrage letzter Wünsche verschwindet
auch der Visagist und die schweren Flügeltüren des Eingangs werden von innen
geschlossen. Als würden sie gar nicht anwesend sein, nehmen die Wächter ihre
Posten abseits verdeckt ein. Marie-Luise schaut auf die Uhr und gibt ein
Zeichen. Sie sind pünktlich eine Minute vor der Zeit, nach der bereits eine Stunde
später ihre Bilder und das Interview von der Londoner Agentur den Medien
weltweit angeboten werden. Eine Minute für Robert’s obligatorische Authentizitätsansage
vor Beginn der Aufzeichnung dieses Liveinterviews. Die Minute, in der Paula
Anderson noch entscheiden kann, das Interview doch nicht zu wollen. Was sie
allerdings zwölf Millionen Dollar kosten würde, wie die Abmachung ist. Aber die
Frau aus dem Hochtal mit der reinsten Luft dieser Welt fühlt sich fit und ist
bester Laune auf Robert’s Fragen zu antworten. „Paula, wie geht es Ihren drei
Töchtern und deren Familien?“ Leises Klicken der Verschlüsse aus den Aufnahmegeräten
der Meisterin für Fotografie, fängt Bilder mit Paula Anderson von allen Seiten
ein und wie sie ihre Haarpracht aus geschickt inszenierter Empörung über erste
Frage wild umherwirft, bevor sie für die Story kontert. „Bestens, alle sind
gesund, die Kinder machen sich gut und die Geschäfte meiner Schwiegersöhne
laufen blendend.“ „Das hört man gern. Wann haben Sie sich das letzte Mal
gesehen?“ Fix haben sich die zwei auf gleicher Welle gefunden und der
Auftraggeberin des Interviews gefällt es offenbar zu parieren. „Zum
‘Thanksgiving‘ ist das Haus immer voll. Sie können sich gar nicht vorstellen,
was dann hier los ist. Da hat noch keiner gefehlt.“ „Ja ja, so soll es auch
sein, aber wer weiß, wie es dieses Jahr wird?“ – Nächsten Freitag werden
wir es erfahren. Bis dahin, Euer Stefan.

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