„Die Drohungen verängstigen Mrs. Anderson zunehmend. Seitdem
kürzlich ihre beiden Dobermänner aus einem Hinterhalt erschossen wurden,
beschützen sie Männer von uns. Rund um die Uhr. Die Hinrichtung ihrer
Lieblingshunde sollte wohl eine letzte Warnung sein, denn ein Ultimatum scheint
bald abzulaufen.“ Derart massive Vorgehensweisen hätte Robert bei den
enttäuschten Erbanwärtern nicht vermutet, zumal aus dem Clan der Andersons
bisher keiner als solch Schwarzes Schaf von sich reden machte. Wie etwa David
sich in ‘ChancenPool‘ zu einem entpuppte. „Sind die Zerwürfnisse denn so
tiefgreifend?“ Canalla sieht Robert, im gegenüber hängenden Wandspiegel vom
Tresen aus, deutlich dessen Verwunderung an und kann die Missdeutung seines
wissbegierigen Freundes nachvollziehen. Nach kurzem Zwischenruf des hereinschauenden
Pendelbusfahrers, wer zum Ufo-Watchtower mitfahren möchte, ergänzt Canalla die
Aufklärung Robert’s mit unverkennbar ernster Miene. „Die drei Stieftöchter von
Mrs. Anderson haben zwar einen Komplott geschlossen, wie man sich erzählt, und
auf ihre Stiefmutter Detektive angesetzt, um nachweisen zu können, dass diese
wegen der Stiftungsabsichten für verrückt zu erklären ist. Deshalb jedoch bangt
sie nicht etwa, umgebracht zu werden. Nein, wer hier in der Gegend niemals
blufft, ist der frühere Partner des verstorbenen Mister Anderson. Einer der
genau weiß, was er will und es in der Regel auch immer bekommt. So oder so.“
Nach diesen Worten lässt ein Blick auf die Uhr Robert wünschen, dass seine
nächste Frage ausreichen möge, Restliches zu erfahren. „Was will der Mann?“
Länger als um den Kaffee auszutrinken, wollte Canalla ohnehin nicht
unterbrechen Robert abschließend zu berichten und geht ins Flüstern über, was
einen Höhepunkt ankündigt. „Die Unterschrift von Mrs. Anderson. Zur Abtretung
ihrer Ländereien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen. Damit seine Pipeline
gebaut werden kann. Für die Trasse von Alaska nach Texas. Nur über ihre Leiche,
sagt die Urenkelin von einem der ersten Pioniere hier jedem dazu. Und da die
Erben mit dem Angebot des Baulöwen einverstanden wären, hat er die forsche Dame
vielleicht sogar wörtlich genommen.“ Womit Robert einleuchtet, weshalb Mrs.
Anderson das Interview nicht wie geplant in Denver, sondern lieber bei sich zu
Hause abhalten möchte. War schon der Tod ihres Ehemannes angeblich auf einen
Unfall zurückzuführen. Das Puzzle beginnt für Robert Gestalt anzunehmen und er
glaubt, sich langsam ein Bild von alledem hier machen zu können. „Mein lieber
Canalla, das war sehr aufschlussreich, doch wird es jetzt Zeit für uns
aufzubrechen, denn bald erwartet man mich. Ich sage vielmals Dank. Es hat mich
geehrt, dass wir zusammen gesprochen haben.“ So beenden sie ihren Besuch im
Coffeeshop ‘Happy-Hour‘ und Robert lässt es sich trotz Canalla‘s Geste nicht
nehmen, die kleine Rechnung zu bezahlen. Wonach dieser darauf besteht, dass
Robert sein Gast beim Mondscheinessen ist, ohne die Vermutung aufkommen zu
lassen, Neues vom Interview aus erster Hand unbedingt hören zu wollen. – Wir dagegen
brennen darauf, müssen jedoch bis nächsten Freitagnachmittag warten.
Bis dahin,
Euer Stefan.

Zur Website des Romans “ChancenPool”:

www.die-erlebnisse-des-robert-wick.de