„Wenn Sie kein
Detektiv sind, was ist dann Ihr Geschäft? Wenn Sie nichts weiter tun
als zuhören, fragen und reden. – Nehmen Sie Zucker?“ Am Ende des
einladend gedeckten Tresens, der im ‘Happy-Hour‘ Tische ersetzt,
haben die beiden letzte freie Hocker besetzt und befinden sich mit
ihren Plätzen neben Ufo-Gläubigen, wie sie hier tagtäglich
Neuigkeiten über aktuelle Sichtungen im San Luis Valley austauschen.
„Nicht beim ersten, nein danke. – Von dem Wenigen, was zu raten
übrig bleibt, bin ich vielleicht ein Jäger im Wald der Wirren
dieser Welt.“ Womit Robert den hilfsbereiten Canalla noch mehr ins
Grübeln bringt. „Da an Ihnen keine Ähnlichkeit mit uns
Ute-Indianern zu sehen ist, sage ich, Sie sind ein Robin Hood.“ So
hätte Robert die Einschätzung des Weisen natürlich am liebsten und
wäre stolz darauf. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Man
erwartet von ihm Stories, die sich verkaufen lassen. „Gut
kombiniert. Echte Indianerspürnase, aber ich bin bloß Journalist.“
Erstaunt blickt Canalla mit hochgezogenen Augenbrauen fragend in
Robert’s Gesicht, um zu ergründen, warum dieser unzufrieden ist.
Bringt der Job doch gewiss gutes Geld. „Aha, dann werden Sie eine
Geschichte über Mrs. Anderson schreiben, nicht wahr?“ Robert
rutscht sich auf dem lederbezogenen Sitz zurecht, als wolle er es zum
Erzählen bequemer haben. „Auch noch einen Kaffee, Canalla?“ „Ich
werde nicht nein sagen, wenn ich von meinem großen Freund höre, was
andere erst später lesen können.“ Robert hat verstanden und
bestellt die zwei Kaffee, bevor er beginnt. „Die Witwe möchte alle
Menschen wissen lassen, warum sie ihren Kindern nichts vererben will.
Es ist ihr wichtig, die Beweggründe kundzutun. Jetzt, damit schon
vor ihrem Tod einer schlechten Nachrede vorgebeugt ist. Denn mit dem
Ende rechnet sie täglich, warum auch immer.“ Trotz der lauter
gewordenen Musik unterbricht Robert, um sich zu vergewissern, keine
weiteren Mithörer geweckt zu haben, was Canalla befürwortet. Hat er
doch, angetan vom soeben Erfahrenen, Überraschendes zu berichten.
„Nicht das Alter, ist ihre Furcht zu sterben. Eine gute Gesundheit
ist ihr geblieben. Nein, Mrs. Anderson glaubt angeblich den Mörder
sogar zu kennen, der auch sie umbringen soll.“ „Woher die
Nachricht, Canalla?“ „Über Jahrzehnte sorgte unser Stamm für
das Wohl der Andersons und so auch heute noch Familienangehörige von
mir. Wir schweigen zu dem was wir hören. Sie sind nicht von hier, so
rede ich zu Ihnen.“ Robert kann sich kaum zurückhalten, so
gespannt ist er. „Was kann mir mein großer Freund Canalla noch
mehr erzählen?“ – Nächsten Freitag werden wir es erfahren, bis
dahin, Euer Stefan.

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